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D 6 – Wirkungen von externer Schulevaluation – Evaluationsdesigns, wissenschaftliche Standards und Erhebungsmethoden

AK Schulen

Dipl.-Psych. Dörte Schott (Freie Evaluatorin/Gutachterin): Wirkungen von externer Schulevaluation auf personaler Ebene

Abstract:
Die Wirkungsbedingungen von Evaluation (ihrer Ergebnisse, ihrer Prozesse, ihrer Methoden) sind bis heute wenig erforscht. Unklar ist beispielsweise noch, unter welchen Bedingungen
welche intraindividuellen Wirkungen zu erwarten sind und über welche (psychologischen) Prozesse diese vermittelt werden. Weitgehend unbekannt sind daher die Bedingungen
und Prozesse, die die Verwertbarkeit und Nützlichkeit von Evaluationen auf personaler Ebene beeinflussen.
Ziel meines Forschungsvorhabens ist es, die Bedingungen und Prozesse der intraindividuellen Wirkung zu beleuchten. Im Speziellen soll gezeigt werden, welche Wirkungen
eine evaluative Information bei dem einzelnen Adressaten auslösen kann und welche Prozesse unter welchen Bedingungen dazu beitragen, dass diese oder jene Wirkung eintritt.
Es wird dazu auf ein psychologisches Modell zurückgegriffen, das in einem handlungstheoretischen Rahmen unter anderem erklärt, wann eine Rückmeldung von Verbesserungsbedarf
von Individuen in zielgerichtetes Handeln umgesetzt wird. Der empirische Nachweis wird mit einer schriftlichen Befragung von Lehrpersonen und Schulleitungen im
Längsschnitt (Prä-Post-Design, drei Messzeitpunkte) erbracht. Auf der Basis von Modellannahmen entwickelte Likert-Skalen erfassen individuelle Verarbeitungsprozesse. Darüber
hinaus werden relevante Moderatorvariablen erhoben. Erste Zwischenergebnisse können im September 2010 bereits präsentiert werden.
Die Kenntnis von spezifischen Wirkungen auf personaler Ebene zusammen mit deren Bedingungen und vermittelnden Prozessen kann zum Einen dazu beitragen, potentielle
Wirkungen schon früh zu erkennen, und zum Anderen, den Nutzen von externer Evaluation zu erhöhen, indem nicht nur die Kommunikation, sondern beispielsweise auch Evaluationsdesigns
und Erhebungsmethoden, dem angemessen gestalten werden.

Einfluss heterogener Unterrichtsgruppen auf Lernerfolg und Motivation

Abstract:
Mit der vorliegenden Studie wurde untersucht, inwiefern eine leistungshomogene bzw. eine leistungsheterogene Unterrichtsumgebung unterschiedlichen Einfluss auf den Lernerfolg (Schulnoten, Lernstandserhebung), die Motivation (Anstrengungsvermeidung und Pflichteifer; Rollet & Bartram, 1998; Anstrengungsvermeidungstest) sowie die Zufriedenheit von SchülerInnen nimmt.
Im Rahmen eines Modellprojekts an einer Gesamtschule wurde im Schuljahr 2008/2009 für den Jahrgang 7 für das Fach Mathematik (N=176 SchülerInnen) und für das Fach Deutsch im Jahrgang 8 (N=177 SchülerInnen) über eine Differenzierung nach leistungsstarken (Erweiterungskurs) und leistungsschwächeren (Grundkurs) SchülerInnen hinaus eine Differenzierung in leistungshomogene und leistungsheterogene Kursgruppen vorgenommen. Die Kurse wurden zufällig der Bedingung homogener beziehungsweise heterogener Unterricht zugewiesen. Die Zuteilung zum Erweiterungs- bzw. Grundkurs erfolgte durch die Schule anhand der bisherigen Noten der SchülerInnen und wurde durch Einsatz des kognitiven Fähigkeitstest (Heller & Perleth, 2000; KFT 4-12+R) kontrolliert.
Für den Jahrgang 7 (Mathematik) zeigte sich, dass sich die Noten der heterogen unterrichteten GrundkursschülerInnen über das Jahr hinweg tendenziell verschlechterten.
Für den Jahrgang 8 zeigte sich, dass sowohl leistungsschwächere als auch leistungsstärkere SchülerInnen in einer homogenen Unterrichtsgruppe einen besseren Lernerfolg erzielen als in einer heterogen unterrichteten Gruppe. Bezüglich der motivationalen Aspekte ergab sich ein umgekehrtes Bild. In beiden Jahrgängen trugen tendenziell eher heterogene Unterrichtsgruppen zu einer geringeren Anstrengungsvermeidung, einem höheren Pflichteifer und einer höheren Zufriedenheit der SchülerInnen bei.
Der Befund, dass ein homogenes Unterrichtsmodell sich förderlich auf die Leistungen schwächerer SchülerInnen auswirkt bzw. dass ein heterogenes Unterrichtsmodell eher die Motivation der SchülerInnen positiv beeinflusst wird diskutiert.