AK Soziale Dienstleistungen
In der Session des AK Soziale Dienstleistungen wird am Beispiel einer formativen und summativen Evaluation (Dr. Marianne Lück-Filsinger) bzw. des luxemburgischen Jugendberichtes (Prof. Dr. Helmut Willems, Christiane Meyers und Andreas Heinen) auf die Leistungsfähigkeit bzw. Einsatzmöglichkeiten qualitativer Verfahren eingegangen. Beide Beiträge thematisieren darüber hinaus die Triangulation qualitativer und quantitativer Daten.
Vortragende:
Dr. Marianne Lück-Filsinger (Forschungs- und Transferstelle G.I.M an der Hochschule für Technik und Wirtschaft des Saarlandes): Zur Leistungsfähigkeit Qualitativer Methoden in der Evaluation – exemplarisch aufgezeigt an der Rekonstruktion der Kooperation unterschiedlicher Berufsgruppen in der Ausbildungsvorbereitung
Prof. Dr. Helmut Willems, Christiane Meyers und Andreas Heinen (Université du Luxembourg): Der Einsatz qualitativer Methoden in der Sozialberichterstattung und Politikberatung. Das Beispiel des ersten luxemburgischen Jugendberichtes
Moderation:
Edith Halves, Zentrum für Praxisentwicklung an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften, Hamburg (edith.halves@haw-hamburg.de )
Dirk Groß, Agentur für Qualitätssicherung, Evaluation und Selbständigkeit von Schulen in Rheinland Pfalz, Bad Kreuznach (dirk.gross@aqs.rlp.de )
Abstracts:
Dr. Marianne Lück-Filsinger (Forschungs- und Transferstelle G.I.M an der Hochschule für Technik und Wirtschaft des Saarlandes)
Zur Leistungsfähigkeit Qualitativer Methoden in der Evaluation – exemplarisch aufgezeigt an der Rekonstruktion der Kooperation unterschiedlicher Berufsgruppen in der Ausbildungsvorbereitung
Am Beispiel der formativen und summativen Evaluation eines abgeschlossenen Modellversuchs zur Ausbildungsvorbereitung im Saarland (2004-2006; Auftraggeber: Ministerium für Bildung, Kultur und Wissenschaft des Saarlandes) soll die Produktivität qualitativ-rekonstruktiver Forschung im Evaluationskontext demonstriert werden. Untersucht wurde die Entwicklung der Kooperation zwischen Lehrer/innen und Sozialpädagogen/Sozialpädagoginnen über einen Zeitraum von zwei Jahren mit Hilfe von regelmäßigen Gruppeninterviews. Im Ergebnis konnten nicht nur unterschiedliche Phasen im Aufbau der Kooperation rekonstruiert, sondern auch Voraussetzungen und Bedingungen für eine gelingende Kooperation bestimmt werden. Über die Triangulation von quantitativen und qualitativen Daten aus anderen (Teil-)Untersuchungen (z.B. Schülerbefragung) konnten überdies Hinweise zur Wirksamkeit des entwickelten Kooperationsmodells im Hinblick auf den outcome für die Schülerinnen und Schüler gewonnen werden. Schließlich sind die gewonnen Erkenntnisse in die Konzepte der Regelpraxis implementiert worden. Prof. Dr. Helmut Willems, Dipl. Päd. Christiane Meyers, Dipl. Soz. Andreas Heinen
Der Einsatz qualitativer Methoden in der Sozialberichterstattung und Politikberatung. Das Beispiel des ersten luxemburgischen Jugendberichtes.
Die Sozialberichterstattung als spezieller Forschungszweig der Sozialwissenschaften, hat sich mittlerweile in vielen Gesellschaften etabliert und institutionell verankert. Historisch gesehen geht die Sozialberichterstattung vor allem auf die Sozialindikatorenbewegung der 1960er und 1970er Jahre zurück. Zentrales Instrument der Berichterstattung ist die Erstellung von Berichten unter der Verwendung sozialer Indikatoren zur Messung von Lebensqualität und Lebensbedingungen. Methodologisch ist die Sozialberichterstattung in der Tradition quantitativer Verfahren zu verorten; mittels statistischer Kennzahlen und Verteilungen wird die soziale Realität beschrieben und gesellschaftliche Entwicklungen werden aufgezeigt. Zentrale Funktion ist die kontinuierliche Erstellung einer wissenschaftlich fundierten und abgesicherten Informations- und Diskussionsgrundlage für Politik und Praxis. Darüber hinaus kommt ihr in vielen Fällen auch die Funktion eines Evaluationsinstrumentes für selbige (z.B. sozialpolitische Programme und Maßnahme) zu. Der Beitrag zeigt am Beispiel des ersten luxemburgischen Jugendberichtes, wie neben quantitativen Verfahren auch qualitative Methoden für eine Sozialberichterstattung nutzbar gemacht werden können.
Bei der Erstellung des luxemburgischen Jugendberichtes wurden neben Studien, Datenberichten und Sekundäranalysen verschiedene Formen qualitativer Methoden der Sozialforschung (Experteninterviews, Fokusgruppen) eingesetzt und die verschiedenen daraus hervorgehenden Daten und Wissensbestände systematisch aufeinander bezogen (Triangulation). Damit war das Ziel verbunden, neben den statistischen Daten auch das Erfahrungswissen und die fachlichen Diskurse in vielen jugendrelevanten Praxisfeldern zu integrieren. Der erste luxemburgische Jugendbericht versteht sich als eine partizipative und dialogorientierte Berichterstattung, die über einen statistischen Datenbericht hinausgeht und die Praxisakteure (der Kinder- und Jugendhilfe, der sozialen Arbeit, der Jugendarbeit aber auch der Schulen) systematisch in die inhaltlichen Ausarbeitung des Berichtes einbezieht.